Ralf Wagner
[10.3. 07]

Airbus ist ein Symbol - und gescheitert

Airbus ist ein Symbol. Ein Symbol für den Technologiestandort Europa. Ein Symbol dafür, wie dieser Standort ein US-amerikanisches Monopol in seine Schranken wies. Ein Symbol für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Und es ist ein Symbol für die Industrie- und Beschäftigungspolitik in Deutschland und Frankreich. Der Aufstieg war rasant, die Leistungen waren beeindruckend. Alles schien möglich. Doch Airbus ist gescheitert. Und auch damit ist Airbus ein Symbol.

Gescheitert ist die Fiktion einer fairen Partnerschaft zwischen Deutschen und Franzosen. Die hat es so nie gegeben - nicht bei Airbus, nicht bei Aventis oder Thomson, vielleicht auch nie in der Politik. Während man hier in Deutschland geblendet von lauter golden leuchtenden europäischen Sternen immer auf Gemeinsamkeit bedacht ist, lernen die französischen Manager schon im ersten Semester an der Ecole de Guerre Economique, immerhin einer staatlichen Elite-Schule, wie man die europhilen Deutschen ordentlich über den Tisch zieht.

Erfolgreich ist diese Strategie eines überlebten Etatismus aber nur, wenn es den Franzosen gelingt, von anderen Unternehmen und von anderen Staaten Kapital und Technologie abzuziehen – während die eigene Staatswirtschaft in einer Dauerkrise steckt. Um so erschreckender ist es, wenn vor allem deutsche Linke im Gefolge des Airbus-Dilemmas und im alten Irrglauben an einen alles regelnden Staat nun fordern, es den Franzosen in Sachen Industriepolitik gleich zu tun.

Das Desaster wäre vorgezeichnet, denn gescheitert vor allem aber ist die Vorstellung, es gehöre zu den Staatsaufgaben Flugzeuge herzustellen. (Zu) Viel staatliche Förderung hat den Blick auf die Kosten versperrt, Wettbewerb gab es nicht und Innovation mußte „geplant“ werden. Nichts zeigt das deutlicher als die Bildung sogenannter Cluster. Die regionale Verteilung des Unternehmens nutzt in der Tat Fühlungsvorteile zu Hochschulen und Unternehmen. Um kompetente und kapitalstarke Partner handelt es sich dabei aber nicht, weil Airbus ja eifersüchtig darauf achtete, möglichst alles im eigenen Konzern zu behalten – wie man heute weiß um den Preis der eigenen Unbeweglichkeit. Und genau darin liegt das derzeitige Problem - und seine Lösung. Airbus kann die Zukunftsaufgaben nicht mehr alleine stemmen. Die Synergien sind ebenso aufgebraucht wie die finanziellen Ressourcen. Jenseits allen Wahlkampfgetöses wird daher auch niemand in Frankreich die vollständige Übernahme von Airbus ernsthaft erwägen. Diese würde unseren westlichen Nachbarn einen Schritt näher an den Staatsbankrott führen, vielleicht sagr einen darüber hinaus.

Aber anstatt den französischen Staatskapitalismus zu kopieren oder deutsches Steuerzahlergeld einfach hinterher zu werfen, sollten die deutschen Airbusteile vollkommen selbständig werden – einschließlich Knowhow und hoffentlich mit vielen neuen kapitalkräftigen Miteigentümern. Nur so können die Technologien kostengünstig vermarktet werden – nicht nur für Airbus. Und nur so können neue Technologien in die Produktion von Airbus einfließen. Das wären Cluster, die ihren Namen verdient hätten.

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